Das beliebteste Pferd der Welt

Kein Pferd ist so stark vertreten und so beliebt wie das Quarter Horse, weil es mit seiner Allroundfähigkeit und seinem Charme eigentlich so ziemlich alles abdeckt, was das Pferdeherz begehrt. 

Wer es nicht kennt, ist selber schuld

Das Quarter Horse ist eigentlich der Inbegriff eines Westernpferdes und keine Pferderasse ist auf der Welt so stark vertreten, wie das Quarter Horse. Ein muskelbepacktes, mittelgroßes, gedrungenes Pferd, mal schwerer, mal etwas leichter, als unentbehrlicher Helfer des Cowboys, auf der Ranch und auch bei anderen Bereichen. Das Quarter war Ackergaul, Kutschpferd, Kinderreitpony, Rennpferd, Sportpferd, eigentlich so ziemlich alles in einem. Es gibt ihn in den unterschiedlichsten Farben und es gibt fast keine Ecke dieser Welt, wo er nicht lebt. 

Gleich vorneweg gesagt, wir züchten das Quarterhorse nicht wirklich, nachdem man diese bei der Zucht des Aztecas benötigt und auch in den Appaloosa einkreuzen kann, haben wir natürlich welche, deswegen wollen wir diese Rasse kurz anreißen und vielleicht auch ein wenig unsere Meinung dazu abgeben, die nicht jeder teilen muss. 

Ich habe den Quarter in Amerika als Ranchpferd kennengelernt. Mit ihm habe ich das "Cutten" gelernt, mit ihm habe ich Rinder getrieben, bis mir der Arsch platzte, mit ihm hat man mir versucht das Lassowerfen beizubringen, was zum Scheitern verurteilt war (ich war darin total untalentiert) und mit ihm habe ich gelernt, junge Pferde zu handhaben und einzureiten. Das Quarterhorse war war mein besonderer Lehrmeister und ich werde mich hüten, irgendwas über dieses tolle Pferd zu sagen, denn diese Rasse ist für mich eine Ausnahme. Ich liebe den kompakten festen Quarter, mit brummigen Hintern und kraftvollen Beinen auf nicht kaputt zu kriegenden Hufen. Ich liebe die Ruhe und die Nerven dieser Pferde und ihre Bereitschaft, überall mitzumachen. Natürlich gab es auch Quarterhorsepferde, die eher eine Kugel als einen Reiter verdient hätten, aber die waren eher selten der Fall. Es gab Pferde, die ich besonder hübsch fand und es gab welche, die waren pottenhässlich. 
Der Gedanke lag und liegt nahe, sich der Zucht zu verschreiben, warum ich es nicht oder sagen wir, nur ab und an mache, hat seinen Grund

Zu viele Züchter, zu viel Streit und Missgunst

Es gibt in Österreich, vermutlich auch anderswo, sehr viele Quarterhorse Züchter. Kleiner und größere, wie auch ganz große. Diese ganz großen, die auch das nötige Kleingeld haben, bilden sich, gerechtfertigt oder auch nicht, jede Menge auf ihre Pferde ein. Stolz ist ein gutes Ding, Überheblichkeit fängt dort an, wo der Stolz zu weit geht. Es ist oft schon so, dass nur die Pferde einen Wert haben, die von bestimmten Züchtern kommen und den Namen derer Hengste tragen.  Es hat sich eine eigene Szene gebildet und mit dieser Elite irgendwie mitzukommen oder auf gleicher Ebene zu sein, ist fast unmöglich. Es sind eigene Menschen, mit eigenen Ansichten und eigenen Zielen. 
Auch wir können da nicht mit, wollen es auch gar nicht, weil uns so manche Ansichten etwas suspekt erscheinen. Es gibt ein paar Superhengste, die decken, bitte den Ausdruck zu verzeihen, alles, was ein Loch hat. Sucht man ein Quarterhorse für sich, findet man in den Ahnentafeln ständig dieselben Namen. Man muss sich fast schon im angrenzenden Ausland umsehen, denn unterhält man sich mit gewissen Leuten, lässt der eine kein gutes Haar an dem anderen.  
Generell basiert die Zucht des Quarters auf ein paar Namen, die man immer wieder hört und in den Pedigrees auch findet. "Doc Bar" ist einer dieser Namen. Meine Meinung dazu ist, er war bestimmt kein schlechter Hengst, aber er hat auch alles gedeckt, was ein Loch hatte, denn es gibt kaum eine Ahnentafel, in der dieses Pferd nicht vorkommt. Inzucht ist ein Wort, dass in der Quarterhorseszene nicht ausgesprochen wird, aber wenn man sich die Ahnentafeln so anschaut, spukt es ganz schön. Ob man jetzt diese Vorgangweise richtig oder falsch findet, muss jeder selbst wissen. Ich denke, es kann nicht sein, dass man immer auf denselben Linien herumreitet und diese mehr oder weniger verheiligt. Es gibt so viele tolle Pferde und ich denke, man sollte auch deren Qualität entdecken. 
Auch auf Shows und Turnieren ist es schon sehr erstaunlich, dass Pferde von gewissen Leuten oder Züchtern immer vorn dabei sind. Natürlich kann es Zufall sein, kommt es aber gehäuft vor, ist der Zufall schon sehr seltsam. 
Wie gesagt, ich liebe das Quarterhorse und empfinde diese Rasse als eine der besten Pferderassen der Welt. Ab und an werden wir uns bestimmt auch ein Fohlen heranziehen, aber unser Schwerpunkt liegt bei den Appaloosas und bei den Aztecas. Wir sind kleine Züchter mit wenigen Fohlen im Jahr. Wir wollen keine Sportmaschinen, die mit drei Jahren schon Futurity gehen und mit sieben Jahren totgeritten sind. Wir wollen lange Freude an unseren Pferde haben, auch dann, wenn sie alt sind und nicht mehr so könne und wir freuen uns immer, wenn unsere Fohlen auf Plätzen landen, wo sie zur Familie gehören, wo auch Blödsinn gemacht wird und wo nicht der Leistungsdruck im Vordergrund steht. Es kann nicht sein, dass ein Pferd bereits mit zwei Jahren zugeritten wird und dreijährig bereits an den Start geht. Es wird aber vielfach so gemacht. Ob es richtig ist, ist eine andere Frage. 
Ein Quarterhorse ist ein robustes Pferd. Jeder Züchter hat seine eigenen Ansichten und Ziele, aber ich denke, man sollte die Robustheit und Langlebigkeit dieses besonderen Pferdes fördern, genauso wie seine Allroundeigenschaften. Nicht nur im Turniersport, der schön und spannend sein kann, aber nicht das Leben eines Pferdes bestimmen sollte, denn ein Pferd hat auch das Recht, Pferd sein zu dürfen. 
Sollten wir nochmal ein Quarterhorse heranziehen, sind wir bemüht, ein nicht zu kleines Pferd zu erzüchten, mit starkem Fundament und nach Möglichkeit verwandschaftlich so weit entfernt von unseren Stuten, wie nur möglich. 
Es gibt genug viel zu kleine Quarters, auf denen ein ausgewachsener Mann aussieht, wie ein Sandsack auf einem Esel, Quarters mit Beinen wie Zahnstocher, Quarters die total überbaut sind und die viel zu eng miteinander verwandt sind. Auch wenn mich jetzt der ein oder andere verteufelt oder meine Meinung nicht teilt:
Meine Meinung kann man teilen, muss man aber nicht. Jeder darf seine eigenen Ansichten und Ziele was Zucht und Turniersport mit dem Quarter betrifft, haben und ich bin niemandem böse, wenn er anders denkt als ich. Das ist okay und in Ordnung. Aber man darf es ansprechen, denn mit jeder anderen Meinung kommen vielleicht neue Ideen. 

Der Urtyp des Quarterhorses, wie er auch gern auf Haltershows gezeigt wird. Im Sport sind diesem Pferd aber seine eigenen Muskeln im Weg, weswegen man dazu übergegangen ist, ihm nicht ganz so viel "Fleisch" anzuzüchten. 

Der etwas leichtere Typ und dennoch gut bemuskelt. Dieses Pferd wird sich in der Bewegung wesentlich leichter tun, zudem hat diese Pferd auch noch eine angenehme Größe. Die Fessel ist nicht zu lang und steht gut im 45° Winkel zum Gelenk. Kurze Fesseln sind stabiler, lange Fesseln weich, weswegen ein Arbeitspferd eher kurze Fesseln haben sollte. 

Das Quarterhorse gibt es in allen erdenklichen Farben und Schattierungen. Gentests geben Aufschluss darüber, welche Farbe das Pferd nun wirklich trägt, wenn man sich nicht so ganz sicher ist, wie man sie benennen soll. Was aber immer gemacht werden sollte, ist der Fife-Panel Gentest, um mögliche Erbkrankheiten nicht weiter zu verbreiten. 

Auch lackschwarz ist der Quarter eine imposante Erscheinung. Wir finden, dass Quarterhorsepferde nicht zierlich oder gar zwergig aussehen sollten. Ihre Beine sollten zum Körper passen, der Widerrist auf Höhe der Kruppe. Sehr viele Quarters sind hinten überbaut, manche sogar sehr stark, behaftet mit einem tiefen Senkrücken. Es muss einleuchten, dass solche Pferde schwerer zu reiten sind, als andere. 

Kurze Beschreibung

Laut Wikipedia gibt es bereits über 4,6 Millionen registrierte Quarterhorsepferde, was zeigt, wie beliebt diese Rasse ist. 
Das Quarterhorse ist zwischen 145 cm und 165 cm groß. Persönlich gefallen mir Pferde, die eine Größe zwischen 150 cm und 160 cm haben. Übergroße Pferde werden meist ziemlich lang im Rücken, was es für das Pferd schwer macht, Manöver auszuführen. Zu kleine Pferde sehen geritten von großen Menschen eher seltsam aus. Wenn ein Mann, Frauen weniger, aber wenn Männer unterm Pferdebauch mit dem Füßen klatschen können, ist das Pferd in meinen Augen eindeutig zu klein. Meine Erfahrung hat ergeben, dass der breite und kompakte Typ eher in den Staaten zu finden ist. Bei uns tauchen immer wieder Quarters auf, die man eher zu den Ponys zählen würde, aber den Quarter nicht mehr sieht. Persönlich gefällt mir der typische Quarterkopf. Ein breiter Kopf mit kleinen Ohren, gut bemuskelte Ganaschen- und Stirnmuskeln, bei guter Ganaschenfreiheit, aufgesetzt auf einen mittellangen Hals mit sehr beweglichem Genick (was auch mit guter Ausbildung und Gymnastik zu tun hat). Das Pferd steht im Rechteckformat mit guter Sattellage (Sättel wurden für die breiten Quarters extra konzipiert). Der Widerrist soll gut ausgeprägt sein und sich auf gleicher Höhe mit dem höchsten Punkt auf der Kruppe befinden. Ist die Kruppe höher als der Widerrist, ist das Pferd überbaut. Ist das Pferd stark überbaut bildet sich fallweise ein Senkrücken und man hat das Gefühl, ständig bergab zu reiten. Es muss kein schlechtes Pferd sein, allerdings muss viel Wert auf die Gymnastik gelegt werden, denn ein Körperbau mit Defiziten bringt auch immer Defizite beim Reiten mit. Solche Pferde geraten schnell an ihre Grenzen. 
Die Beine sollten immer zum Pferd passen. Ein kompaktes Pferd auf Zahnstocherbeinen schaut genauso bescheuert aus, wie ein schmales Pferd auf Zaunstämpfen. 
Der schwere kompakte Typ des Quarter wird immer noch gerne auf Haltershows oder auch bei der Pleasure oder im Westernriding gezeigt. Der leichter Typ, meist auch der kleinere, ist dort zu finden, wo Bewegung gebraucht wird, wie bei der Reining oder beim Cutten. Der leichtere Typ kann auch im Distanzsport eingesetzt werden. Distanzsport ist eine Ausdauersportart. Bei Pferden, die viel Masse haben, muss diese Masse auch versorgt werden, weswegen der Araber beim Distanzsport vorn dabei ist. Es ist einfach ein Pferd ohne wirkliche Masse, dafür mit viel Biss. 
  

Die Königsdisziplin im Westernsport ist die Reining. Neben Zirkeln, Fliegenden Galoppwechseln, schnellen Spins, Speedcontrol und Rollbacks, ist der Stop ein Manöver, das spektakulär aussieht und bei denen es das Publikum gerne von den Sitzen reißt. 

Das "Cutten" ist eine Disziplin direkt am Rind, bei der es um selbständiges Arbeiten des Pferdes und auch um Geschwindigkeit geht. Ein Rind wird aussortiert und daran gehindert, zur Herde zurückzulaufen. Hierzulande wird weniger gecuttet, als in den USA, da die Rinder und der Platz einfach fehlen. 

Mir wurde in den USA erzählt, dass die Pleasure aus den langen Strecken heraus entstanden ist, die die Cowboys oft zurückzulegen hatte, und dabei den Pferden beibrachten, sich langsam, aber dafür ausdauernd zu bewegen. Definitiv ist die Pleasure eine sehr ruhige Disziplin, bei der es um viel Korrektheit geht.